Als der berühmteste deutsche Fußballer, Franz Beckenbauer, starb, wurde er von seinem Verein FC Bayern München mit einer großen Gedenkfeier in der Allianz Arena verabschiedet. Zum musikalischen Rahmenprogramm gehörte sein Uralt-Schlager Gute Freunde kann niemand trennen, natürlich. Fußball ist Pop, Fußballer sind Popstars und als solche sangen sie zu Kaisers Zeiten auch Popsongs, in Deutschland bevorzugt Schlager. Mit Klassik war da nichts. Dafür interessierten sich weder die Fußballer noch die Fans. Wobei, auch in der Hinsicht war Franz Beckenbauer eine Ausnahme. Immerhin besuchte er 1974 die Festspiele in Bayreuth. Einerseits, um sich als der etwas andere, sprich kultivierte Fußballstar darzustellen. Andererseits hatte er wohl wirklich ein Faible für klassische Musik, was auch erklären könnte, warum bei der Trauerfeier im Januar Jonas Kaufmann sang. Der Tenor, der als Münchner Kind bereits Fan des Beckenbauer-Klubs war, sang unter anderem Time To Say Goodbye in der italienischen Version Con Te partirò sowie Nessun Dorma aus Puccinis Turandot, das man etwas salopp vielleicht als eine Art klassische Variante von Football’s Coming Home bezeichnen könnte. Jedenfalls ist diese Arie seit der WM 1990 auch stark mit dem Fußball verbunden. Die Pavarotti-Version lief nicht nur als Titelmusik der BBC-WM-Übertragung 1990 in Heavy Rotation, vor allem der Auftritt der drei Tenöre José Carreras, Plácido Domingo und Luciano Pavarotti vor der Kulisse der Terme di Caracalla am Vorabend des WM-Finales in Rom begründete eine neue Form des Live-Entertainments.
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