Der brasilianische Regisseur Marcelo Gomes über Musik und Freiheitskampf

Text und · TITELBILD Screenshot © REC Produtores & Ukbar Filmes · Datum 1.3.2017

Der Film Joaquim des brasilianischen Regisseurs Marcelo Gomes lief vor zwei Wochen im Wettbewerb der 67. Berlinale. Im Mittelpunkt steht Joaquim José da Silva Xavier, genannt Tiradentes, Freiheitskämpfer, brasilianischer Nationalheld und ein Anführer der Inconfidência Mineira (Minas-Verschwörung), einem Aufstand gegen die portugiesische Kolonialherrschaft im 18. Jahrhundert. Gomes geht in seinem Film der Frage nach, welche Motive es gewesen sein könnten, die aus einem einfachen Soldaten der portugiesischen Krone einen Revolutionär gemacht haben. Der Film stellt einen möglichen Bewusstwerdungsprozess Joaquims in den Mittelpunkt. Den sichtbaren Wandel zum Revolutionär vollzieht er erst ganz zum Schluss, der Film endet dort, wo der (historisch belegte) Freiheitskampf beginnt. Gomes verzichtet auf historische Einordnung und faktische Leitplanken, er lässt den Zuschauer mit der Existenz der Protagonisten allein. Die sich auflösende Loyalität gegenüber der Kolonialmacht und die schleichende Politisierung Joaquims finden in Sinneseindrücken statt, schreiben sich in Körperlichkeit ein. Auf diese muss man sich einlassen, damit der Film psychologisch stringent erscheint. Wir treffen Marcelo am Tag nach der Premiere (und deren Party) in der Presselounge im 4. Stock des Berlinale Palasts am Potsdamer Platz.


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