In der Jugendstrafanstalt in Berlin-Tegel betreten die Häftlinge nach einem Aufenthalt in der Kälte im Freien ihren Gebäudetrakt. Sie scherzen, knuffen sich, rufen einander hinterher. Der Hall des riesigen Raums, von dem mit Gittern abgetrennte Flure und Zellen abgehen, verstärkt Stimmen und polternde Schritte um ein Vielfaches. Mittendrin stehen Geigerin Sonja Bogner, Cellistin Clara Lindenbaum und Bratschist Avri Levitan mit ihren Instrumenten in den kalten Fingern. Die jungen Männer drängen sich an ihnen vorbei, manche schauen skeptisch, viele interessiert, einer erzählt Avri gleich, dass er gerne singt. Alle Insassen müssen zurück in ihre Flure, die Gittertüren werden zugesperrt. Ein besonders großer und ruhiger junger Mann möchte unbedingt bei den Musiker:innen bleiben: »Ich tu doch niemandem was!« Auch er wird geduldig von Mitarbeitern in seinen Flur geleitet. Manche müssen sogar direkt auf die Zelle gehen, nur die Tür darf offen bleiben. Eine Sicherheitsmaßnahme, zu dem das Gefängnis wegen Überbelegung gezwungen ist.
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