Am 25. und 26. August habe ich das »Composer Seminar« des Lucerne Festivals besucht. Die Proben fanden in einem heißen Raum in der Luzerner Musikhochschule statt. Am 25. begann morgens die Arbeit mit Piyawat Louillarppraserts Stück Tremble, für großes Ensemble. Außerdem habe ich Victor Colteas Immigrant und ein Werk von Josep Planells gehört.Louillarppraserts Stück Tremble entfaltet sich als fast buchstäbliche Übersetzung seines Titels: ein Zittern, ein Schütteln. Die Streicher spielen col legno battuto, in den Bläsern gibt es schnelle Crescendi und Descrendi, einzelne Töne werden mehrfach wiederholt und artikuliert. An einer Stelle vergleicht der Dirigent die Musik mit einem »Regenwald in Thailand«. Wie verhält sich ein Komponist in der Probe seines eigenen Stückes richtig? Unter Stundent/innen kursieren oft Gerüchte, man müsse den Musiker/innen erst zeigen, was man drauf hat, bevor sie einen ernst nehmen: Am besten, in dem man einen falschen Ton in einer komplexen Textur heraushört. In der Praxis sieht das meist anders aus: Wie viele junge Komponst/innen ist Louillarpprassert bei der Probe meist schüchtern. Ein Musiker sagt zu ihm: »I know what you’re asking for, I just don’t think I can really do it,« und das akzeptiert er sofort. (Immerhin besser als eine einmalig gehörte Bemerkung aus der Fluggesellschaft-Bürokratie: »We don’t understand what you want but it’s not possible.«)An einer Stelle geht es um die Artikulation mit Besen im Schlagzeug, und Wolfgang Rihm, Mentor des Composer Seminars, greift kurz ein. Zu Louillarpprassert sagt er: »I’m your lawyer now«. Die Musiker wollen weiter spielten, doch dann proben sie die Stelle nochmals detailliert. Im Interview spreche ich Wolfgang Rihm darauf an.
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