Die großen Kulturinstitute wollen etwas Gutes tun und streamen darum – gratis fürs Publikum –  aus den Opernhäusern, Theatern und Konzertsälen. Groß beworben zeigt die Berliner Staatsoper eine Wiederaufnahme einer mindestens 15 Jahre alten Produktion der Carmen von Bizet. Super Idee. Beim Herumtreiben im Netz gerate ich eher zufällig in die Übertragung. Ich kenne die Inszenierung bereits in der Premierenbesetzung (mit Rolando Villazon als Don José) – kein ganz großer Wurf damals, aber auch nicht so, dass man nicht mal einen Blick hineinwerfen könnte. Jetzt schaue ich und bin unangenehm berührt.

Eine Frau, als Carmen-Klischee in schwarzes Leder gepresst singt – im Übrigen wirklich sehr schön – die berühmte Habanera, immer in Nahaufnahme oder maximal in der Halbtotalen. Um ehrlich zu sein: Ich will das nicht sehen. Jedes Vorurteil, das viele Nicht-Opernbesucher:innen vor sich hertragen – dass dort unbewegliche Sänger:innen an der Rampe stehen und ohnehin nicht viel passiert –, wird da genährt, selbst wenn es heutzutage zum überwiegenden Teil gar nicht mehr stimmt. Diejenigen, die in den kostenlosen Corona-Angeboten des Lockdown einmal die Gelegenheit ergreifen, in solch einen Opernblockbuster reinzuschauen, werden jedenfalls auf lange Zeit nicht für einen leibhaftigen Besuch in diesen Häusern zu gewinnen sein.


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