Mit einem borstigen Kratzgeräusch ertränkt die junge Cellistin Valerie Fritz die Haare ihres Bogens in klebrigem Kolophonium. Das fast schon zum Ritual inszenierte Hin- und Herreiben, das über Kontaktmikrofone aufdringlich in die Publikumsköpfe verstärkt wird, eröffnet Fritz’ Eigenkomposition Additional Value für Cellobogen und Elektronik.
Mit diesem und vier anderen Stücken für Cello gewann die 24-jährige vor zwei Wochen den Berlin Prize for Young Artists. Mit derselben detaillierten Hingabe, wie sie sich dem Bogen widmet, dekonstruierte ihr Programm Cello 360° systematisch alle Facetten des Instruments und eröffnet ganz neue Perspektiven auf das, was eigentlich längst vertraut scheint.
Als sie gerade mal acht Jahre alt war, schrieb ihre Mutter für sie das Stück Geisterstunde, das die junge Musikerin früh mit den Spieltechniken zeitgenössischer Musik vertraut machte. Einige Jahre darauf spielte Valerie Fritz unter anderem im Jugendorchester der Europäischen Union und später beim Orchester der Lucerne Festival Academy. Bei den Darmstädter Ferienkursen oder der Internationalen Ensemble Modern Akademie sammelte sie wichtige künstlerische Erfahrungen jenseits des konventionellen Orchestertellerrandes. Aktuell studiert sie im letzten Bachelorsemester Cello bei Giovanni Gnocchi am Mozarteum in Salzburg (sie schließt dort im Frühjahr direkt den Master an). Mit Ligetis Sonate, Lachenmanns Kassenschlager Pression, Steen-Andersens Study for String Instrument #3 für Cello und Video, der Eigenkomposition Additional Value nur für Cellobogen und Elektronik und Arturo Fuentes Mood für Cello ohne Bogen deckt ihr Finalbeitrag beim Berlin Prize for Young Artists ganz exemplarisch die große musikalische Bandbreite der entdeckungsfreudigen Musikerin ab.
Sieben Tage nach dem BPFYA-Finale treffe ich Valerie in der wohlig-warmen Wohnzimmeratmosphäre eines Zoom-Meetings und wir sprechen über ihre künstlerischen Visionen, Instrumentenabnutzung und die Suche nach einer fruchtbaren Beziehung zum Publikum.
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