Titus Underwood ist seit Februar der erste Schwarze Solooboist mit einer Festanstellung in einem US-amerikanischen Orchester (der Nashville Symphony in Tennessee). Aufgewachsen ist der Musiker in Pensacola, Florida, er besuchte das Cleveland Institute of Music, die Juilliard und die Colburn School, wo er bei Oboen-Legenden wie John Mack und Elaine Douvas studierte.Dieses Jahr wurde Underwood die »Sphinx Medal of Excellence« verliehen, eine Auszeichnung, mit der die Sphinx Organization in den USA außergewöhnliche Schwarze Musiker:innen und solche mit lateinamerikanischem Hintergrund ehrt. In der New York Times forderte er jüngst zusammen mit Kolleg:innen der Phoenix Symphony und der Metropolitan Opera eine Reform des Probespielverfahrens. Mit VAN hat Underwood über seinen ganz persönlichen Karriereweg und seine Zukunftsvisionen für die US-amerikanische Orchesterlandschaft gesprochen.

VAN: Hat sich Deine Wahrnehmung Deines Berufs verändert, seit Du eine feste Vollzeitstelle als Solooboist innehast?
Titus Underwood: Bevor ich diese Stelle bekommen habe, habe ich zehn Jahre lang Probespiele gemacht und bin auch 15 oder 16 Mal in die letzte Runde gekommen. Ich habe viel als Aushilfe gespielt, als Solooboist, zweite Oboe, was auch immer. Dabei hat sich meine Wahrnehmung vom Orchesterspiel drastisch verändert – also noch bevor ich überhaupt eine feste Stelle bekommen habe. Auch in Nashville habe ich viel gelernt und lerne auch seit meiner Festanstellung weiter, aber den wirklich weiten, unverstellten Blick auf das Business habe ich schon vorher, in den ganzen verschiedenen Orchestern, bekommen.

