Ein Gespräch mit dem Kreuzberger Geigenbauer Thomas Rojahn

Text · Fotos privat

Der Wrangelkiez in Kreuzberg ist eine Gegend, in der die extremen Pole der Berliner Stadtgesellschaft derzeit aufeinanderprallen und sich ineinander verhaken wie tektonische Platten: der Drogenhandel im nahen Görlitzer Park, dessen Händler infolge der dortigen »Null-Toleranz-Zone« und des massiven Verfolgungsdruck in den Kiez auswandern, wo wiederum schon die Heerscharen von Vergnügungssuchenden auf sie warten, die allabendlich wie die Lemminge ins Bermudadreieck des Nightlifes aus Watergate, Magnet, Club der Visionäre, Chalet, Lido und Arena-Gelände ziehen, vorbei an der ehemals besetzten, mittlerweile geräumten und umzäunten Cuvrybrache, die für die einen »Filetstück«, für die anderen Symbol einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik ist. Die Schlesische Straße und anliegende wie die Falckensteinstraße sind zu einer Art Kreuzberger Schinkenstraße mutiert, gewachsener Einzelhandel wird zugunsten mexikanischer Cocktailbars, Burgerbuden, Hostels und Hipster-Cafés verdrängt. Die Mieten steigen, mehrere Häuser sind von Zwangsräumungen bedroht, in der Wrangelstraße 77 hat sich gegen den Rauswurf des türkischen Gemüseladens »Bizim Bakkal«, der seit 30 Jahre im Kiez ansässig ist und nun für eine Luxussanierung weichen soll, eine sehr sichtbare und lautstarke Protestbewegung formiert; jeden Mittwoch treffen sich seit Anfang Juni vor dem Laden mehrere Hundert Anwohner zur »Bizim Kiez«-Versammlung, zu Musik, Lesungen und Filmvorführungen, ein erster Erfolg des Straßendrucks (und einer damit einhergehenden überregionalen Berichterstattung von Tagesthemen bis FAZ) ist die vorübergehende Rücknahme der Kündigung durch den neuen Vermieter.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com