Am 31. Oktober beendeten die Berliner Philharmoniker ihr letztes Konzert vor dem neuerlichen Shutdown mit John Cages 4′33″. »Die essentielle Bedeutung von Stille besteht darin, dass man den Vorsatz aufgibt«, sagte Cage 1982 in einem Gespräch mit dem Musikkritiker Michael John White. Den Wunsch des Komponisten nach der Stille als einem absichtslosen Raum erfüllten die Berliner Philharmoniker an diesem Abend nicht. Stattdessen diente sie als Kulisse, die eigene Botschaft umso lauter vernehmbar zu machen. Cages Stück sei vor dem Hintergrund der neuen Beschlüsse zur Eindämmung der Corona-Pandemie ergänzt worden, hieß es im Programmheft. Wie das Orchester zu diesen Beschlüssen steht, konnte man tags zuvor auf seiner Website erfahren: »Wir haben kein Verständnis für die erneute Schließung unseres Konzertbetriebs und sämtlicher kultureller Einrichtungen.« Die Kulturlandschaft habe die Situation ernst genommen – »jetzt bitten wir darum, ernst genommen zu werden.« Es lag Aufruhr in der Luft, in der eine Stimmung resonierte, die sich in den Tagen zuvor über die Kulturszene gelegt hatte.


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... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com