Vertragsdeutsch versteht, so scheint es, eigentlich niemand so richtig. Julia Wissert (Regisseurin) und Sonja Laaser (Anwältin und Dramaturgin) haben vor kurzem allerdings einen Formulierungsvorschlag für einen Passus in Verträgen von Künstler*innen mit Theatern und Konzert- und Opernhäusern ins Netz gestellt, dessen Sinn sofort einleuchtet: Die Anti-Rassismus-Klausel. »Sie kann genutzt werden, um im Rahmen eines Vertragsverhältnisses Beteiligte vor rassistischen Äußerungen und Übergriffe durch Mitarbeiter*innen der/des Auftraggeberin/s zu schützen«, und: »Die Vereinbarung sieht vor, dass Auftraggeber*innen, etwa ein Theater, im Falle eines Verstoßes auf eigene Kosten eine Schulung oder vergleichbare Maßnahme mit ihren Mitarbeiter*innen durchführen lassen muss, die zur Aufklärung über rassistische Strukturen und rassistische Wortwahl beiträgt. Eine Besonderheit ist, dass die Deutungshoheit darüber, welche Beleidigungen als rassistisch diskriminierend empfunden und eingestuft werden, bei den Betroffenen selbst liegt«, schreibt Sonja Laaser dazu auf ihrer Website (der Formulierungsentwurf steht dort zum Download und zur freien Verwendung durch Künstler*innen und Kulturinstitutionen zur Verfügung). Am Theater Oberhausen hatte das freie Kollektiv »Techocandy« mit Unterstützung des Intendanten Florian Fiedler jüngst mit der Verwaltung über die Aufnahme der Anti-Rassismus-Klausel gestritten und am Ende das Stück Schaffen ohne Vertrag auf die Bühne gebracht. Sonja Laaser erklärt mir am Telefon genauer, wie die Klausel gedacht ist und wo sie greifen soll.


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com