Dem Regisseur Kirill Serebrennikov, künstlerischer Leiter des Moskauer Gogol-Zentrums, wird die Veruntreuung von 68 Millionen Rubel bei der Leitung der staatlich geförderten Theater-Werkstatt Plattform zwischen 2011 und 2014 vorgeworfen. Bereits im Mai wurden in diesem Zusammenhang das Gogol-Zentrum und Serebrennikovs Wohnung durchsucht. Vor zwei Wochen belastete eine Buchhalterin seiner Produktionsfirma Studio 7 Serebrennikov schwer, die gestrige Festnahme in Sankt Petersburg beruht auf dieser Aussage. Serebrennikov ist auch im Ausland ein gefragter und gefeierter Regisseur, an der Komischen Oper Berlin läuft aktuell seine Inszenierung von Rossinis Il barbiere di Siviglia, für Oktober ist am Staatstheater Stuttgart die Premiere von Humperdincks Hänsel und Gretel geplant, sein Film The Student erhielt bei den Filmfestspielen in Cannes 2016 den François-Chalais-Preis. Wir sprechen mit dem Komponisten Sergej Newski über den Fall. Er ist ein guter Freund Serebrennikovs und war selbst beim Plattform-Projekt für das Musikprogramm zuständig. Bis vor wenigen Tagen war Newski noch in Russland im Urlaub, Freunde rieten ihm zu einer früheren Abreise. Während unseres Telefonats wird Kirill Serebrennikov im Moskauer Basmanny Gericht gerade dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Vor dem Gerichtsgebäude versammeln sich Hunderte Unterstützer*innen und Freund*innen, es ertönen »Freiheit« und »Kirill«-Sprechchöre . »Gerade gibt es eine Pause, weil nach russischem Recht der Richter die Urteile per Hand schreiben muss«, sagt Sergej. Wenig später wird die Richterin der Anklage der Staatsanwaltschaft folgen und Serebrennikov zunächst bis zum 19. Oktober unter Hausarrest stellen.
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