»Hoffentlich wird er in nächster Zeit nicht mehr ›Regie führen‹ … Schlecht für die Demokratie, aber gut für die Oper …«, schreiben die Betreiber der Facebookseite Against Modern Opera Productions zur Verhaftung des russischen Theater- und Opernregisseurs Kirill Serebrennikov (über Serebrennikovs Festnahme sprach VAN mit dessen Freund und Kollegen Sergej Newski). Der Post hat zwar »nur« gut 48 Likes – die Facebookseite, die dahintersteht, aber über 45.000. Zielgruppe von Against Modern Opera Productions (kurz: AMOP) sind nach eigener Aussage »Opernfreunde, die vom Regietheater genervt sind«. Hier können sie sich über Inszenierungen auslassen, die klassischen Opern eine aktuelle Dimension verleihen. Den Anstoß geben jeweils Fotos der Produktionen.

Die Inszenierung von Händels Ariodante bei den diesjährigen Salzburger Festspielen mit Mezzosopranistin Cecilia Bartoli in der Rolle des bärtigen Titelhelden  hatte erst kürzlich die zweifelhafte Ehre auf Against Modern Opera Productions: Ein Foto von Bartoli im schwarzen Kleid, mit wallendem Haar und erstaunlich echt aussehendem Vollbart, dazu der Text: »Nimm eine bekannte Sängerin mit einer ebenso bekannten fanatischen Fangemeinde, die bei jedem noch so kleinen Geräusch ihres Idols in Jubeln ausbricht, pack all das in einen dämlichen Regietheatermix aus ›traditionellen‹ und abstoßenden Elementen und füge noch ein paar ›aktuelle‹ Anspielungen hinzu, in diesem Fall Conchita Wurst. Et voilà!« Die Kommentarspalte ist voll von kotzenden Emojis. Dank Social Media werden Fotos von Operninszenierungen, die aus dem Kontext herausgerissen zum Teil tatsächlich etwas kurios aussehen, wie das Bild eines Mannes vor einer riesigen Kloschüssel, unfreiwillig zu Memes.


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