Die Leonskaja hält sich nicht mit Höflichkeiten auf. Sie setzt sich ans Instrument und spielt. Bei der Schubertiade ist sie seit 1985 regelmäßig zu Gast. Nach ihrem Klavierabend am letzten Sonntag im Zweitausendseelendorf Schwarzenberg im österreichischen Vorarlberg, siebenhundert Meter über dem Meeresspiegel, nachdem sie ihre russisch durchtrainierte Pranke mit dem Wiener Schmäh zu jener ihr eigenen, einzigartigen Gemütsgemengelage vereint hatte, die den Brüchen der wilden frühen Schubertsonate H-Dur D 575 genauso souverän gewachsen ist wie den vier späten Impromptus D 935 und der heiligen Beethovengedächtnis-Sonata A-Dur D 959, da will das Publikum sie nicht mehr gehen lassen.
Wir applaudieren im Stehen. Elisabeth Leonskaja nickt und spielt eine einzige, lange Zugabe: Das erste der drei letzten Klavierstücke in es-Moll, Allegro assai, mit den verzweifelt auf der Stelle rasenden Achteln, den schroffen Akzenten und dem Himmelstrost des H-Dur-Chorals inmitten. Zum Abschied, beim Rausgehen in die Mondnacht, Schubert im Herzen, sagt meine geschätzte Kollegin Müller: Man sollte sich jetzt für den Rest des Lebens nur noch mit Franz Schubert beschäftigen. Ausschließlich? Ja.

