Ein Sanierungsstopp für die Komische Oper: An die Öffentlichkeit kamen die Gedankenspiele des Berliner Senats durch eine Reporterin der Bild-Zeitung. Sie hörte offenbar in der Kantine des Berliner Abgeordnetenhauses Gespräche mit. Wenige Tage später meldeten sich maßgebliche Künstler der Komischen Oper wie Barrie Kosky und Dagmar Manzel entrüstet zu Wort, auch im Feuilleton wurde vielfach kommentiert. Das Intendanten-Duo verbrachte seinen Sommer am Telefon, um dem politischen Berlin die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens klarzumachen. Der Kultursenator habe sich, so berichtete Intendantin Susanne Moser Mitte Juli, für den Weiterbestand der Komischen Oper als Institution ausgesprochen, aber gleichzeitig auch bestätigt, dass eine Debatte um den Sanierungsstopp des denkmalgeschützten Stammhauses in der Behrenstraße geführt werde.
Wir treten einen Schritt zurück. Mit Sarah Zalfen, die zu Opernkrisen Ende des 20. Jahrhunderts promovierte und heute als Referatsleiterin im Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kultur des Landes Brandenburg und als kommunale Kulturpolitikerin in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung tätig ist, blicken wir auf die Frage, warum gerade um die Berliner Opern immer wieder so erbittert gestritten wird.

VAN: Auffällig ist, wie schnell Diskussionen um Berliner Opernhäuser dramatisch werden. Wie kommt das?
Sarah Zalfen: Man muss bei den Berliner Opernhäusern immer davon ausgehen, dass man nicht einfach mal so aus dem luftleeren Raum eine kulturpolitische Idee zu ihnen haben kann. Eine solche Diskussion knüpft an jeder Stelle an eine langwierige Opern- und Opernkrisen-Diskussion an, die vor allem aus den 1990er und Nullerjahren stammt. Und die wiederum dockt an die Tatsache an, dass diese drei Opernhäuser, die ein Alleinstellungsmerkmal dieser Stadt sind, unglaublich viel von der Besonderheit Berlins umfassen: von der einstmals geteilten Stadt, von dem Werdegang von der preußischen Metropole zu einer modernen hippen internationalen Stadt, von der einstigen Insellage, von der Frage: Was ist bunte Kultur, was ist neue Hauptstadt, was ist Kiez-Getümmel? Das alles wurde im Spiegel dieser drei Opernhäuser schon mal diskutiert. Und das macht die Opernhäuser so zentral. Sie sind nicht einfach ›nur‹ ein Viertel des Berliner Kulturhaushalts oder ›nur‹ drei Immobilien. Sie verkörpern intensive kulturpolitische und kulturhistorische Diskurse. An denen sind immer wieder Kultursenatorinnen und -senatoren und auch andere Politiker gescheitert. Weil sie unterschätzt haben, was sie damit anfassen.

