Schmidt*150 wäre in diesem sich dem Ende nähernden Jahr dann doch zu weit gegangen. Wo selbst Schönberg*150 und Faure†100 und Ives*150/†70 nur eher Mittelwellen schlugen und wo Bruckner und Puccini sowieso ständig stattfinden, drauf gepfiffen, ob nun 200. Geburts- oder 100. Todestag oder nicht: Da hätte eine Abfeierung des 1874 geborenen österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Schmidt den Jubiläumskranz wohl zum Überfackeln gebracht. Immerhin, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat jetzt im Konzerthaus Berlin doch noch ein kleines, aber klangmächtiges Feierkerzlein entzündet – mit der Aufführung von Schmidts vierter, letzter Sinfonie in leuchtendem C-Dur. Diese Musik ist sanfter Flächenbrand, oder sagen wir, um die Elemente zu wechseln: unendlich scheinender Klangfluss.

Auch wenn man diese Sinfonie (wie ich) vor vielen Jahren schon mal gehört hat, ahnt man bald: Man steigt nie zweimal ins selbe Klangbad. Der Dirigent David Afkham ist ein angenehm sachlicher, eher zurückhaltender Flussbademeister. Hörend fühlt man sich da wohlig umwässert, spätestens wenn man irgendwann staunend schnallt, dass man sich anscheinend bereits im zweiten Satz befindet. Wo der dritte und der vierte anfangen, wird man danach erspüren. Aber es sind keineswegs »Einschnitte«, sondern Übergänge. Eine Strömung greift in dieser Musik jederzeit in die andere, ein Ton in den nächsten. Linie in Linie, Satz in Satz. »Attacca« wäre bei solch sachter, traurig-schöner Geschmeidigkeit ein unpassender Ausdruck dafür, dass alle Teile der C-Dur-Sinfonie kaum merklich ineinander überströmen.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com