Der heute 90-jährige Köchel empfängt uns an einem Sommertag in seinem Haus bei Bochum. Den umgebenden Garten mit 2.000 Quadratmetern bestellt er selbst. Mit leuchtenden Augen, wacher Erinnerung und in druckreifen Worten erinnert er sich an einen Freund und ein musikalisches Genie.
VAN: Wie und wann haben Sie Alfred Schnittke kennengelernt?
Jürgen Köchel: Ich war damals gerade von einem kleineren Musikverlag zu den Sikorski Verlagen nach Hamburg gewechselt, als diese intensiv begannen, die russische Musik zu vertreten. Auf einer meiner ersten Reisen nach Russland im Jahr 1969 habe ich Alfred Schnittke kennengelernt; ich bin bewusst im Rahmen einer ISME-Tagung (International Society for Music Education) da hingereist – als Verleger wäre ich zu schnell im Visier der UdSSR-Staatsmacht gewesen – und da habe ich ihn besucht.

