Das kurioseste Souvenir ist Helmuth Rilling mit Wackelkopf. Vielleicht fünfzehn Zentimeter hoch, steht der berühmte Chordirigent – er starb im Februar 2026 mit 92 Jahren – auf einem grauen Sockel, im Frack, in der erhobenen Rechten den Taktstock, mit der Linken lässig eine Zigarre haltend. »Stoßen Sie mal die Vitrine ein bisschen an«, sagt Jörg Hansen, Direktor des Bachhauses Eisenach. Tatsächlich, das Haupt des Künstlers, recht fein nachgebildet, wackelt. Der »bobblehead« ist ein sehr amerikanisches Souvenir, 2007 beim Oregon Bach Festival im Angebot, jenem Festival, das Rilling 1970 selbst gründete. »Die Zigarre war abgebrochen, wir haben sie von einem Modellbauer in Eisenach ergänzen lassen«, meint Hansen fröhlich. Der 58-Jährige mag solche Sachen, liebt Recherchen und die Jagd nach entlegenen Exponaten, die bei diesem Thema besonders ergiebig ist: Phänomen Bachfest heißt die neue Schau.
Der Anlass ist ein historischer. Es ist nämlich 125 Jahre her, dass in Berlin das erste »offizielle« Bachfest stattfand, nachdem die Bach-Gesellschaft Leipzig 1899 die erste Gesamtausgabe der Werke Johann Sebastian Bachs abgeschlossen hatte – mit Subskribenten von Rossini bis Mahler. In jenem Jahr veröffentlichte der letzte Direktor der Gesellschaft, Hermann Kretzschmar, einen langen Bericht, an dessen Ende er zur »Propaganda für Bach« aufrief. Es sei immer noch eine Minderheit, auf die »das weitre Schicksal eines grossen Theils Bach´scher Kunst« angewiesen sei, und die möge die nun zu gründende Neue Bachgesellschaft durch die »Einrichtung regelmäßiger Bachfeste« vergrößern. Der Tonträgermarkt war noch im Embryonalstadium, und im Konzertleben war Bach am ehesten mit den Passionen und der h-Moll-Messe präsent.

