Wirkungslos

Die USA ziehen sich aus der Entwicklungszusammenarbeit fast komplett zurück, die zuständige Behörde USAID wird zerschlagen. Auch Deutschland kürzt: Bereits 2024 wurden die EZ-Mittel um 5,5 Milliarden Euro gegenüber 2023 gekürzt, im Koalitionsvertrag ist von einer weiteren »angemessenen Absenkung« der Quote die Rede. Was hat das mit Kultur zu tun? Vielleicht dies: Es zeigt, dass die Legitimation über soziale oder wirtschaftliche »Wirksamkeit«, wie sie auch in der Kultur immer öfter bemüht wird – mit dem Hinweis auf vermeintliche »Transfereffekte« – nichts ausrichten kann, wenn das, was lange Konsens schien, von der Politik infrage gestellt wird: dass Deutschland als ehemalige Kolonialmacht und eines der reichsten Länder der Welt im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit eine besondere Verantwortung hat, zum Beispiel. Oder dass Kulturförderung nichts mit »Elfenbeinturm«, sondern mit Grundversorgung zu tun hat. 


Kunstgucken ist einfacher als Musikhören

Noch eine Parallele zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Kultur: Die Lücken, die der Staat hinterlässt, sollen hier wie da private Investoren und Mäzene füllen. In der Kunst ist die Verlagerung des Angebots von der öffentlichen in die private Hand bereits seit langem in Gange. Die ›FAZ‹ widmet sich heute dem Boom privater Kunstmuseen: Dieses Jahr öffnen neben der Fondation Cartier in Paris unter anderem das Almaty Museum of Arts in Kasachstan oder das Naoshima New Museum of Art in Japan ihre Tore, letztes Jahr in Wiesbaden das Museum Reinhard Ernst – alle finanziert von Firmen und Privatpersonen. Für Superreiche ist zeitgenössische Kunst seit langem ein Marktplatz, um ökonomisches in kulturelles Kapital oder spekulatives Investment umzuwandeln. Dem zugrunde liegt ein »brausender Hype, von dem die zeitgenössische Musik nur träumen kann«, wie Volker Hagedorn in seinem Kommentar zum Verkauf von Maurizio Cattelans Banane schreibt. »Nicht, dass man in Donaueschingen den Glamour der Art Basel vermisst – aber wann wurde zuletzt einer Uraufführung von breiten Kreisen mit Spannung entgegengesehen? Bis wann hoben die Medien zeitgenössische Komponisten so prominent als Stars ins Blatt wie etwa 1934 in Amsterdam, als Kurt Weill und Sergej Prokofjew mit neuen und neuesten Werken gastierten, ehe Bruno Walter Brahms Vierte dirigierte? Die guten Komponist:innen von heute sind ja nicht schlechter. Grundsätzlich gilt aber: Kunstgucken ist einfacher als Musikhören.«


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