Die Cavatine der Norma Casta Diva zählt zu den berühmtesten Opernarien überhaupt. Vielen gilt sie sogar als Synonym für die Kunst des Belcanto. Ein Mythos, der den Rest der Oper bis heute überragt. Wenn die Sopranstimme von dünnem Orchestergedudel fast alleingelassen in unspektakulärer Mittellage ihre ersten, liedhaft schlicht intonierten Phrasen singt, scheint die Zeit stillzustehen. Die Druidenpriesterin stimmt ein Zwiegespräch mit sich selbst an, ein intimes Gebet, das sich jäh aufschwingt in gleißende Höhen und dort zur dramatisch insistierenden Klage aufreißt. Und als sei das völlig logisch, folgen nun plötzlich Passagen aberwitzigsten Ziergesangs, schier unsingbare Koloraturen, kaum gestützt vom Orchester, Glissandi, die im freien Fall anzusetzen sind, bevor im schnellen Finale explosive Kraft über vollem Chor und Orchester mit gebieterischen Spitzentönen gefordert ist.


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… studierte Gesang und Klavier, Germanistik und Philosophie. Sie arbeitete u.a. als Sängerin und Pianistin, Dramaturgin, Regieassistentin und Pressesprecherin. Seit 2003 freie Journalistin und Autorin.