Neben unerhörten Uraufführungen und seltenen Werken gibt’s beim saisoneröffnenden Berliner Musikfest auch die lukullisch-luxuriösen Programme. Wobei dieses lulu keineswegs bedeutet, dass es da nicht um Ewiges gehen kann. Aber es sind dann eben keine Geringeren als das London Symphony Orchestra und die Staatskapelle Berlin, die hier ihren je eigenen Bruckner beisteuern.
Zwei Arten, Bruckners Majestät abzurufen, sind in der Philharmonie zu erleben: Antonio Pappano macht es bei den überragend guten Londonern mittels prächtiger Klangkultur, die die unvollendete Neunte würdig aufs Schild hebt. Nehmen Pappanos dienende Noblesse, der eindrucksvolle Bläserglanz und die erlesene Abmischung aller Orchesterteile der Brucknerletzten etwas von ihrer Unerhörtheit? Für mich nicht. Sie bauen den Unerhörtheiten einen leuchtenden Klangtempel, aber das Schroffe und Radikale, von Bruckner hier konsequent wie nie zusammengefügt, bleibt auch in derart vollendeter Ausführung schroff und radikal. Und tief berührend. Nach so einer Aufführung steht die Zeit still.

