Kaum ein Orchester wurde durch die Pandemie so gebeutelt wie das Mahler Chamber Orchestra: Als freies Ensemble ohne strukturelle Förderung, das weltweit agiert, lebt es von der Durchführung komplexer Tourneen und von einem internationalen Konzertmarkt, der diese bezahlen kann. Dazu kommt, dass das Orchester zwar seinen Sitz in Berlin-Kreuzberg hat, seine 45 Mitglieder aus 20 Ländern zu den Projekten jeweils aber aus unterschiedlichen Orten anreisen. Das MCO ist ein gleichermaßen agiles wie fragiles Gebilde, das durch die Corona-Beschränkungen in seinem Identitätskern erschüttert wurde. Hartmut Welscher sprach mit MCO-Geschäftsführer Michael Adick per Zoom über die aktuelle Lage des Orchesters, die Zukunftsaussichten und das Tourneegeschäft post-Corona.

Michael Adick • Foto © Geoffroy Schied
Michael Adick • Foto © Geoffroy Schied

VAN: Wie geht es dem MCO gerade?

Michael Adick: Emotional trifft uns der zweite Lockdown auf jeden Fall härter als der erste. Superwichtig für den Spirit war, dass wir zumindest ab Juli wieder jeden Monat ein Projekt machen konnten – zuerst beim Schleswig-Holstein Musik Festival, dann im August mit dem Lucerne Festival Orchestra, im September die Saisoneröffnung der Elbphilharmonie, im Oktober mit Currentzis, im November eine CD-Produktion mit Leif Ove Andsnes in Berlin [Mozart-Klavierkonzerte, d.Red.]. Für uns als Orchester ist es überlebensnotwendig, dass gemeinsame Begegnung und Austausch stattfinden. Ab Dezember ist jetzt wieder Schicht im Schacht. Hoffnung auf eine gewisse Form von Normalität habe ich erst ab dem Sommer.


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... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com