Der kanadisch-amerikanischen Geigerin Leila Josefowicz gelingt es in ihrer internationalen Solistenkarriere, auf dem Grat zwischen dem erwartbaren Standardrepertoire für Violine und kühneren, neuen Stücken zu wandern. Sie hat unter anderem die Violinkonzerte von Esa-Pekka Salonen, Thomas Adès und Luca Francesconi uraufgeführt, John Adams schrieb für sie seine dramatische Sinfonie Scheherazade No. 2 (2015) für Solo-Violine und Orchester, ein Stück, das sie mit unermüdlichem Eifer und mit den großen Orchestern dieser Welt ins Repertoire spielt. Josefowicz hat aus erster Hand die dunkleren Seiten der Klassikwelt kennengelernt. Ihre Karriere begann bereits vor ihrer Teenagerzeit, als sie in den 1980er Jahren als »Wunderkind« vermarktet wurde – eine Erfahrung, die sie später im Leben nicht los ließ und die sie auch als Mutter immer wieder beschäftigt.Ich erreiche sie telefonisch in ihrem Haus in Scarsdale, New York. Wir reden über den praktischen Nutzen von Kompositionsaufträgen für Violinkonzerte, darüber, was interessante neue Musik für Violine ausmacht und über das Aufwachsen als Wunderkind in einer Musikkultur, die jugendlichem Können oft größere Bedeutung zuspricht als einer ethisch angemessenen Behandlung von Kindern.
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