Rund 55.000 Menschen arbeiten in Deutschland als Freischaffende für die Musik. Schon vor Corona taten sie das überwiegend am Existenzminimum, jetzt stehen sogar Spitzenensembles am Abgrund. Volker Hagedorn fragt sich, was die Arbeit dieser Künstler:innen für unsere Gesellschaft bedeutet.

Mich erreichte die erste Absage auf der Rückreise von einer Lesung, der letzten für unabsehbare Zeit. Immerhin verbunden mit dem Angebot, mir die Hälfte des Honorars zu erstatten. So etwas können sich nur wenige Veranstalter und Festivals leisten, oder besser: konnten. In den zehn Tagen seitdem sind Europas Podien so vollständig stillgelegt worden, dass es völlig unmöglich ist, auf Basis der geplanten Etats Künstlern auch nur einen Bruchteil dessen zu zahlen, womit sie gerechnet hatten – den Freischaffenden, wohlgemerkt, von denen jetzt deutlicher wird denn je, wie viele es sind, die mit Auftritten, Unterricht, Vermittlungsarbeit die Kultur am Leben halten. Es sind in Deutschland allein im Bereich der Musik rund 55.000 Menschen.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.