Vor einigen Jahren hatte ich einen Termin bei einem Neurologen. Dort wurde ein EEG gemacht. Man sitzt dabei mit einem Elektroden tragenden Haarnetz auf dem Kopf vor einer starken Lampe, hält die Augen geschlossen und lässt sich anblitzen. Die Reaktion des Gehirns auf das in immer höherer Frequenz flimmernde Blitzlicht wird von einer Software aufgezeichnet. Ich weiß nicht mehr, bei wie vielen Hertz es war, dass ich plötzlich eine Spirale aus abwärtsfallenden Lebkuchenmännern sah. Ich sagte dies der Assistentin, die den Test durchführte. Ich glaube, ich sehe Lebkuchenmänner. Darauf meinte sie: Wir versuchen noch eine höhere Stufe, danach ist genug. Auch bei dem nun geringfügig schneller blitzenden Licht sah ich das unglaubliche Bild hinter meinen geschlossenen Augenlidern: abwärtsfallende Lebkuchenmänner, Millionen von ihnen, ein ganzer Kosmos voll. Ich musste die Augen aufmachen, da mir von dem Anblick schwindlig wurde. Eine solche visuelle Halluzination sei ganz normal, beruhigte mich die Assistentin, die meisten Menschen erleben etwas Ähnliches bei dieser Art von Stimulation. Aber warum Lebkuchenmänner?, fragte ich. Sie sagte, es sei für jeden etwas anderes, die Sehrinde werde eben dazu gebracht, irgendetwas zu tun. Und in meinem Fall bringe sie offenbar Lebkuchenmänner hervor. Millionen davon, sagte ich. Ja, sagte die Assistentin.


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