»Während wir in der Schweiz auf Briefmarken-großen Fleckchen leben, scheint mir, dass es hier unendlich viel Platz und Raum gibt«, sagte Julien Chavaz, seit der Spielzeit 2022/23 Generalintendant des Theaters Magdeburg, im Oktober 2022 zu meiner Kollegin Antonia Munding. Im März 2025 besuchte ich am Theater Magdeburg eine Uraufführung, die künstlerisch hochriskant war: Gerald Barrys ›Salome‹. Obwohl das Werk nicht wirklich aufging, machte es Mut, mitzubekommen, wie auch außerhalb der Großstädte enthusiastisches Scheitern möglich ist. Aber wäre ein solches Projekt auch unter einer Landesregierung mit AfD-Beteiligung umsetzbar? Die Partei möchte die staatliche Förderung »antideutscher Kunst und Kultur« beenden, worunter laut Wahlprogramm alle öffentlich geförderten Theater in Sachsen-Anhalt zu fallen scheinen – mit Ausnahme des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt. Kultureinrichtungen sollen überhaupt nur dann staatliche Fördergelder erhalten, wenn sie »ein Bekenntnis zur deutsche Nationalkultur« ablegen. Das Theater Magdeburg gehörte zu den 27 Kulturinstitutionen, die bereits kurz nach der Verabschiedung des AfD-Wahlprogramms in einer gemeinsamen Erklärung »vor einer Entwicklung gewarnt, die die Freiheit der Kunst, die Offenheit kultureller Institutionen und die demokratisch verankerte Erinnerungskultur grundlegend in Frage stellt«. Ich treffe Julien Chavaz in seinem Magdeburger Büro, um zu erfahren, wie die Stimmung am Theater und in der Stadt kurz vor der Wahl ist.

VAN: Haben Sie einen Plan für das Theater Magdeburg für den Fall, dass die AfD an die Macht kommt?
Julien Chavaz: Für die Programmplanung gibt es keinen Notfallplan. Die nächsten zwei bis drei Jahre stehen fest und wir machen definitiv keine extra AfD-Option. Das kommt für uns nicht infrage. Es ist gar nicht möglich, ein Haus mit zwei politisch unterschiedlichen Programmen zu leiten, oder mit einem politischen und einem neutralen Programm.

