Die Musikgeschichte älterer Zeit wurde in weiten Teilen aus der Retrospektive geschrieben – und so für ein breites Publikum überhaupt erst interessant. Will heißen: Ereignisse von überragender musikgeschichtlicher Bedeutung haben die Zeitgenossen anscheinend in den seltensten Fällen als solche wahrgenommen. Das ist bedauerlich für die Künstler, aber auch für die Nachwelt. Oft genug wüsste ich gern mehr darüber, wie die Ersthörer einen musikalischen Geniestreich aufnahmen – nicht zuletzt, um das eigene Staunen mit den Reaktionen der Zeitgenossen ins Verhältnis setzen zu können.
Besonders verwundert das augenscheinlich hartnäckige Schweigen der Zeitgenossen im Falle von Johann Sebastian Bach. Denn bis heute haben sich keinerlei Ohrenzeugen zu Wort gemeldet, die irgendetwas über ihre Empfindungen beim ersten Kontakt mit Bachs genialen Schöpfungen übermitteln würden.

