›In meiner Freizeit gehe ich gerne Schwimmen oder ins Theater.‹ Hinter einem vor Corona unverdächtigen Satz trugen sich in den letzten Wochen heftige Grabenkämpfe aus. ›Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, werden geschlossen‹, heißt es im Beschluss zum November-Shutdown. Dass Bund und Länder Kulturangebote als Freizeit und in einer Aufzählung neben Bordelle, Spielhallen und Fitnessstudios stellten, hat unter vielen Kulturschaffenden Empörung ausgelöst (Manch Cineast wiederum echauffierte sich darüber, dass die vermeintliche ›Hochkultur‹, Theater, Opern und Konzerthäuser, eine eigene Nummerierung bekamen, Kinos aber in zweiter Reihe mit Messen und Freizeitparks standen). ›Wer Kultur mit Freizeit gleichsetzt, zerstört die Fundamente der offenen Gesellschaft‹, sagt der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda. ›Erst taucht man überhaupt nicht auf, dann steht man als Museum kurz vor dem Zoo‹, meint Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart. ›Dabei sind wir weder ein Luxus noch ein Freizeitspaß. Wir sind Bildungseinrichtungen.‹ Im Freizeit-Shutdown und dem Ringen um ›Systemrelevanz‹ feierte bisweilen auch die Trennung zwischen anrüchigem U und heiligem E eine fröhliche Wiederauferstehung. Aber was ist eigentlich ›Freizeit‹, und warum ist sie nicht auch ›Kultur‹? Wir haben uns bei Renate Freericks erkundigt, Professorin für Pädagogische Freizeit- und Tourismuswissenschaft an der Hochschule Bremen und Leiterin des Internationalen Studiengangs Angewandte Freizeitwissenschaft.
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