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Welche Programme eignen sich für den kontaktlosen Instrumentalunterricht (und/oder gemeinsame Proben)? Welches brauchbare Setup lässt sich mit dem realisieren, was die meisten Musiker:innen und Instrumentalpädagog:innen ohnehin zuhause haben? Welche Tricks und Kniffe muss man kennen? Ein Überblick.

Zunächst ein kleiner Vergleich von kostenlos verfügbaren Messengern mit Audio- und Videoübertragung, die für den Unterricht ausreichen:

Zoom

Vorteile:

  • Was Zoom als Programm für den häuslichen Instrumentalunterricht eigentlich konkurrenzlos macht: die »Originalton«-Einstellung. Bei Messaging-Diensten wie Zoom oder Skype ist die Übertragung für Sprache optimiert, das heißt, der Sound wird bearbeitet: Frequenzen, die die Sprachverständlichkeit nicht fördern, werden herausgefiltert, Hintergrundgeräusche ausgeblendet … Vieles, was für die Musikübertragung essentiell ist (langsames Ausklingen von Tönen, sehr leise Passagen), fällt so weg. Bei Zoom lässt sich diese Klangbearbeitung aber glücklicherweise ausschalten. Da das Prozedere etwas umständlich ist, hier ein kleiner Guide:

1. Falls noch nicht geschehen: ein Zoom-Konto erstellen und das Programm herunterladen (Zoom läuft auch Browser-basiert, das ist aber sehr viel störanfälliger).

2. Das Programm starten. Eventuell muss man Zoom an dieser Stelle noch erlauben, auf Mikrofon und Kamera zuzugreifen.

3. Auf das kleine Zahnrädchen oben rechts klicken.

4. Auf »Audio« klicken.

5. Auf »erweitern« klicken.

6. Ein Häkchen setzen bei »Meeting-interne Option ›Originalton aktivieren‹ vom Mikrofon anzeigen«.

7. Einstellungen schließen. 

8. Ein »Neues Meeting« starten. Dort sollte jetzt im Meeting-Fenster oben links der Button »Originalton einschalten« sichtbar sein. Auf diesen klicken. Wenn dort dann steht »Originalton ausschalten«, ist der Originalton eingeschaltet und alles funktioniert. Wichtig ist jetzt, bei jedem Meeting zu kontrollieren, ob der Originalton eingeschaltet ist. 

  • Das müssen natürlich sowohl die Lehrkraft als auch die Schüler:innen erstmal machen. Es empfiehlt sich also, allen Schüler:innen dazu eine Handreichung zu schicken (oder diesen Artikel). Ein schönes Erklärvideo zu diesen Einstellungen gibt es hier, allerdings auf Englisch. Und hier einen Vergleich von durch Zoom vorbearbeitetem Klang und »Originalton«.
  • Die kostenlose Zoom-Version ist völlig ausreichend: Mit ihr können zeitlich unbegrenzt Video-Konferenzen zwischen zwei Personen geführt werden. Bei weiteren Teilnehmenden (im Gruppenunterricht oder in Ensemble-Proben) beträgt die maximale Konferenzdauer 40 Minuten. Dann muss man einmal kurz auflegen und wieder neu anrufen, auch kein großes Problem.
  • Man kann über die »Bildschirm freigeben«-Funktion im Meeting parallel zum Gespräch Dateien wie zum Beispiel Noten teilen. Außerdem ist es möglich, Websites und Online-Videos zu zeigen oder Musik aus Spotify, iTunes und Co abzuspielen. Das Gegenüber hört dies dann auch.
  • Zoom hat eine Warteraum-Funktion. Schüler:innen können sich so schon einwählen, werden aber erst von der Lehrkraft zum Meeting zugelassen. Das kann elegant sein, wenn man mehrere Stunden hintereinander gibt.

Nachteile:

  • Das größte Manko ist: Die »Originalton«-Funktion ist nur mit dem Rechner möglich, nicht mit Tablets und Smartphones! Lehrende und Schüler:innen müssen also beide einen Rechner verwenden. Eine externe Web-Cam ist hier von Vorteil. Ansonsten muss man den Laptop so hinstellen, dass die interne Kamera in einem guten Winkel das Geschehen filmt. Die Einrichtung kann etwas frickelig sein (man braucht eine Art Podest aus einem Stuhl auf einen kleinen Tisch o.ä.), damit auch alles Wichtige zu sehen ist.
  • Bisher verfügen nicht viele über einen Zoom-Account. Lehrkräfte und Schüler:innen müssen sich darum erst registrieren und die App herunterladen.

Skype

Vorteile:

  • Der große Vorteil bei Skype ist: Hier sind viele schon registriert und mit den Funktionen und der Handhabung vertraut. Auch hier gibt es eine Meeting-Funktion (sogar unbegrenzt in der Gratis-Version), auch hier kann man Files verschicken.

Nachteil:

  • Der große Nachteil: Skype hat keine »Originalton«-Einstellmöglichkeit, die Klangqualität ist so viel schlechter.

Es empfiehlt sich, trotzdem beide Messenger (Skype und Zoom) installiert zu haben, da beide aktuell wegen Überlastung nicht ganz stabil laufen. Wenn ein Programm akut nicht funktioniert, muss die Stunde nicht ausfallen, wenn man schnell auf ein anderes ausweichen kann.

Natürlich lässt sich auch über Messenger wie Facetime und WhatsApp unterrichten. Diese haben jedoch auch keine »Originalton«-Funktion und verlangen außerdem Zugriff auf das Adressbuch der User:innen. Wegen dieser Datenschutzproblematik rate ich von der Nutzung dieser Messenger, wenn sie nicht ohnehin installiert und in Gebrauch sind, ab.

Einige grundsätzliche Tipps zum Unterrichten und Musizieren via Messenger.

Eins vorweg: Es gibt bis dato keine technische Lösung, die es ermöglicht, dass zwei Menschen in unterschiedlichen Zimmern via Internet wirklich zusammen spielen. Die Übertragung des Klanges braucht Zeit, beim Gegenüber kommt das, was man selbst spielt, immer verspätet an. Schüler:innen in Echtzeit zu begleiten, ist also genauso wenig möglich wie eine wirkliche Bandprobe. Was aber sehr gut funktioniert: im Vorhinein Playalongs aufnehmen und an die Lernenden schicken. Dann mithören, wie zu diesen gespielt oder gesungen wird und Feedback geben. Statt mit- und einzuzählen können Metronom-Einstellungen durchgegeben werden (vorausgesetzt, beide Seiten haben eins). Und: Es lohnt sich, das Programm der Wahl vor der ersten Unterrichtsstunde einmal zu testen, durch einen Anruf bei einer Kollegin o.ä. Manche Funktionen und Ansichten muss man erst etwas erkunden, um sie wirklich sinnvoll nutzen zu können.

Eine Übersicht über Tools für Instrumentalunterricht und Proben online in @vanmusik.

Und hier noch ein paar technische Tipps:

  • Benutze wenn möglich ein externes Mikrofon. Viele Musiker:innen verwenden für Proben- und Konzertmitschnitte den Zoom-Handyrecorder (Achtung, verwirrend: Der heißt nur zufällig genau wie das oben genannte Programm). Diesen kann man auch als externes Mikro an den Computer anschließen. Wie das funktioniert, steht in den Gebrauchsanweisungen, ansonsten ist es hier auch noch einmal im Video erklärt für den Zoom H4N Recorder (das funktioniert aber bei allen anderen Zoom-Recorder-Versionen genauso). Eine häufige Fehlerquelle beim Verwenden des Zooms als Mikro ist die Einstellung der Sample-Rate am Zoom selbst. Stimmt hier etwas nicht, klingt man wahlweise als hätte man gerade Helium inhaliert oder würde Sauron aus Herr der Ringe spielen. Wie dieses Problem behoben wird, ist in diesem Video erklärt. Ansonsten gilt: Ist die Stimme zu hoch, stell die Samplerate am Zoom hoch. Ist die Stimme zu tief, stell sie runter.
  • Viele Schüler:innen haben Headsets oder (Gaming-)Mikros, deren Klang  besser ist als der des integrierten Mikrofons. Hier lohnt sich zumindest der Versuch, diese zu verwenden (ggf. muss man etwas rumprobieren mit der Ausrichtung des Mikrofons).
  • Pegel die Lautstärke in Zoom (nun wieder dem Programm) oder Skype selbst ein. Ansonsten drehen die Programme eigenständig leise Stellen lauter und laute Stellen leiser. Das kann zu merkwürdigen Lautstärke-»Pump-Effekten« führen und ist außerdem beim Musikmachen grundsätzlich unschön. Gehe dazu bei beiden Programm in die Audio-Einstellungen und schalte die Funktion »Mikrofonlautstärke automatisch anpassen« aus. Stelle oder setze Dich jetzt dort hin, von wo aus Du musizieren möchtest und spiele eine laute Stelle. Dann stelle den Lautstärkeregler so ein, das bei lautem Spielen etwa 90 Prozent Ausschlag erreicht wird.
  • Verwende externe Lautsprecher oder, falls es sonst zu einem Echo-Effekt für Dein Gegenüber kommt (weil die Ausgabe ihrer oder seiner Stimme / Musik aus dem Deinem Lautsprecher wieder von Deinem Mikro aufgenommen wird), Kopfhörer, die man so aufsetzen kann, dass sie nur ein Ohr bedecken / nur in einem Ohr stecken, damit man sich selbst noch hört.
  • Eine externe Soundkarte sorgt, falls vorhanden, für noch besseren Klang.
  • Die Übertragung via Ethernet (dem guten alten Netzwerk-Kabel) ist meist stabiler und schneller als über WLAN. Schließ Deinen Computer also direkt an den Router an, falls Du noch ein entsprechend langes Kabel findest.
  • Stelle Deinen Rechner und Deine Devices so hin, dass Du die Netzteile anschließen kannst – und mach das auch.
  • Für Schlagzeug-Lehrende besteht die besondere Herausforderung, dass sie den Sound von mehreren Mikrofonen in einem Raum in den Messenger schicken müssen. Auch bei Bandproben ist das der Fall. Wie das funktioniert, ist in diesem Video erklärt (allerdings auf Englisch).  

Viel Spaß und Erfolg!

Merle Krafeld

... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Seit 2014 studiert sie Schulmusik und Geschichte und spielt Geige in Laien-Ensembles und einer Punk-Band. Außerdem ist sie Redakteurin bei VAN.