»Kunst ist Ausdruck einer psychischen Not, und man macht sie nicht mal zwischen Tür und Angel«, erklärte Herbert Henck in einem Interview mit Arnulf Marzluf vom Bremer Weserkurier, das am 25. Juni 1996 erschienen ist. Seinen selbstgewählten Aufgaben, sei es die Einstudierung und Aufführung von Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts, sei es die Verfassung von Texten, sei es die Herausgeberschaft einer Schriftenreihe, seien es literarische Arbeiten oder Aufnahmen eigener Musikstücke, widmete er sich mit leidenschaftlicher Kompromisslosigkeit, mit akribischer und umsichtiger Besessenheit.
Herbert Henck begann ab 1968 seine Ausbildung am Mannheimer Konservatorium und an der Musikhochschule Stuttgart. Im Anschluss wechselte er in die Klavierklasse von Aloys Kontarsky an die Musikhochschule Köln. Nachdem er dort 1975 sein Konzertexamen abgelegt hatte, wirkte er als freischaffender Konzertpianist, wobei er sich auf die Musik des 20. Jahrhunderts konzentrierte. 1978 erschien als erste Veröffentlichung im Rahmen seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem Label WERGO eine Aufnahme der Concord Sonata von Charles Ives, mit dessen gesamten Werk sich Henck sehr intensiv befasste. Neben weiteren Aufnahmen und auch diversen Schriften zum Oeuvre des Amerikaners konzipierte er 1986 für das Kulturamt der Stadt Bonn das Charles-Ives-Festival The Unanswered Question und im Folgejahr für den WDR die Konzertreihe Ives & Co. in Duisburg. Ebenso engagierte sich Henck für Conlon Nancarrow, der in den frühen 1980er Jahren in Köln ›wiederentdeckt‹ wurde.

