Vom 20.–23.09.18 fand an unterschiedlichen Spielstätten in Berlin Mitte zum ersten Mal das Berliner Festival für aktuelles Musiktheater BAM! statt. Mit über 30 Aufführungen, davon 14 Uraufführungen, wurde ein Wochenende lang die Lebendigkeit und Diversität der freien Berliner Musiktheaterszene vorgestellt. Ich habe mir in der Kantine der Sophiensæle die Eröffnungspremiere des Festivals angeschaut, die neue Performance des Berliner Musiktheaterkollektivs HAUEN UND STECHEN, das seit 2012 die freie Szene mit seinen bildgewaltigen, klugen und assoziationsreichen Opernarbeiten aufmischt. Die neue Performance mit dem Titel GOLD ist der dritte Teil des Projekts Fidelio: Ein deutscher Albtraum in vier Folgen. Die Benennung orientiert sich, wie die vorangegangenen zwei Folgen SCHWARZ und ROTZ (ja Rotz, nicht rot), an den Farben der deutschen Flagge. In GOLD tobt der Erste Weltkrieg und wir befinden uns um die hundert Jahre nach der Uraufführung von Beethovens Oper. Das Bühnenbild zeigt eine vernebelte Schützengrabenlandschaft, deren Gänge gleichzeitig auch als Goldmine zu verstehen sind (Bühne: Lotta Hensch). Die vom Krieg traumatisierten und verrohten Deutschen entdecken dort plötzlich zwischen Leichen und Schutt ein Phantasma: das Gold. Dieses Trugbild ist der Ausgangspunkt für ein sarkastisches, aber sehr unterhaltsames Experiment, in dem Beethovens Nationaloper und ihr Befreiungs-Thema sehr kühn in einem bildhaften Raum angegangen werden. Die Opernsänger, Schauspieler und Musiker von HAUEN UND STECHEN werden dabei im Laufe der Performance zu einer verblendeten New-Age-Sekte nach dem alchemistischen Prinzip: Ewiges Leben erlangen, Blei in Gold verwandeln, wo jeder das, was er sucht, auch zwischen den Toten finden kann: sich selbst, seinen verloren geglaubten Partner, Reichtum, ein Stückchen Ideologie und die Fidelio-Musik …
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