Am 5. Februar 2025 ist Hans-Peter Lehmann im Alter von 90 Jahren in Hannover gestorben. Von 1980 bis 2001, also 21 Jahre lang, war Lehmann Intendant der Staatsoper Hannover – eine für das deutsche Theater außergewöhnlich lange, ja, sagenhafte Dienstzeit.
Kein anderer hätte mir als designiertem Intendanten der Staatsoper Hannover mehr über Geschichte und Gegenwart des Hauses, aber auch grundsätzlich über die Entwicklung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert aus eigener, gelebter Erfahrung erzählen können als Hans-Peter Lehmann. Immer hatte ich auf meiner Agenda der Vorbereitungszeit die Absicht und Vorfreude auf ein Treffen mit ihm. Nun stehe ich an einem regnerischen Februartag auf dem Hannoveraner Opernplatz vor seinem »geliebten Kasten« und kann nur noch die traurige Nachricht seines Todes entgegennehmen, aber leider nie mehr eine Zusage zu einem Kennenlernen. Immer hatte ich die Anfrage aufgeschoben, weil scheinbar alles andere viel wichtiger war – man ja so beschäftigt den Planungsvorläufen hinterherhetzt, die gegenwärtigen Verpflichtungen als Ausrede parat hat und multioptional immer alles gut verschieben kann. Eine kurze WhatsApp-Nachricht – und schon gilt eine andere Zeitrechnung. Plötzlich erkennt man voller Trauer, dass ein Versäumnis schwerer wiegen kann als jede schnell gemachte Entscheidung. Dieses Versäumnis bedauere ich zutiefst. Ich vermisse das Gespräch mit Hans-Peter Lehmann, das ich nie geführt habe. Gegenwartsbesessen und zukunftsbeschleunigt hasten wir am Theater bis zur Atemlosigkeit dem Relevanzanspruch hinterher – und versäumen vielleicht manchmal den Blick zurück in Geschichte und Tradition der uns anvertrauten Institutionen. Dadurch geraten wir in die Gefahr der Kurzatmigkeit in unseren Theaterbiografien.

