Als ich Gwendolyn Toths Wohnung über dem Lincoln Center in Manhattan betrete, sehe ich vor allem: Tasteninstrumente. Drei stehen verpackt und hochkant im Eingangsbereich, die anderen im Wohnzimmer. Manche sind reisefertig, andere warten nur darauf, dass sich jemand an die Tasten setzt. Ein Virginal, ein Hammerklavier, mehrere Cembali, insgesamt sieben Instrumente.Eine Orgel hat sie hier nicht, obwohl sie gerade für dieses Instrument als Spezialistin gilt. Auf verschiedenen Orgeln mit unterschiedlichen Stimmungen hat Toth bis dahin weitgehend unbekanntes Repertoire eingespielt. Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Wiederentdeckung Monteverdis und veröffentlichte 1995 mit ihrem Ensemble ARTEK eine der schönsten und unverwechselbarsten Aufnahmen, die von L’Orfeo existieren. Mit ihr sprach ich über ihr Leben für die Alte Musik.
VAN: Als Sie angefangen haben, alte Musik zu machen, war das noch eine ganz andere Welt, viel kleiner, weniger erschlossen, weniger standardisiert. Was hat Sie zu dieser Musik gebracht?
Gwendolyn Toth: Nach meinem Grundstudium entschied ich mich, mein Studium mit dem Hauptfach Orgel fortzusetzen und bin dazu an die Southern Methodist University. Vom liberalen Middlebury College an der Ostküste ins texanische Dallas – und das 1977! Manche Lehrer*innen – oder deren Assisten*innen – haben zu mir gesagt: ›Wenn du keinen Rock trägst, kommst du hier nicht weit.‹ Ehrlich gesagt war Dallas für mich wie ein Planet der Wahnsinnigen.

