Ich treffe Friedrich Cerha an einem Nachmittag nur wenige Tage vor seinem 93. Geburtstag in seiner Wiener Stadtrandvilla. Am frühen Abend sei ihr Mann am gesprächigsten, hatte mir Gertraud Cerha noch am Telefon gesagt. Sie ist es auch, die mir die Tür öffnet. Für ihre 90 Jahre wirkt sie durchaus quirlig – im Verlauf des Interviews ist sie es, die zu jeder Komposition und jedem Konzert ein Detailwissen an den Tag legt, das schon fast beängstigend genau ist (dafür möchte sie sich nicht fotografieren lassen). Friedrich Cerha kommt wenige Minuten nach seiner Frau in das klassizistisch gestaltete Wohnzimmer. Vorbei an dem obligatorischen Flügel, läuft er an aufgehängten Geigen und Lauten, einem gekreuzigten Jesus sowie einem Buddha zu der Sofaecke, wo das Gespräch stattfindet. Im Gegensatzzu seiner Frau spricht Friedrich Cerha sehr bedächtig. Ohne eine erste Frage gestellt zu bekommen, fängt er an zu erzählen: von der Untergrundmusik Wiens im Nachkriegsösterreich, von Wien Modern und seinen Kompositionen.
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