VAN: KÖNNEN SIE ZUNÄCHST ETWAS ZU IHREM AUFTRITT BEI »LIQUID ROOMS« SAGEN, WELCHES IHRER STÜCKE WIRD GESPIELT?
Eva Reiter: Bei »Liquid Rooms« (einem vom Emsemble Ictus entwickelten Format) sollen Hörgewohnheiten verändert und Grenzen zum Verschwimmen gebracht werden. Die Kompositionen werden in fließenden Übergängen von drei bis vier Bühnen aus gespielt, die Hörer/innen dazu eingeladen, sich im Raum dazwischen zu bewegen, die Hörposition frei zu wählen und zu verändern. Es gibt von mir ein Stück mit dem Titel Stalkers Resolution, ein vierminütiger Song, den ich letztes Jahr für Ictus im Rahmen des Programms »This Is Not a Pop Song« komponiert habe. Es wurden dabei einige Komponisten beauftragt, ein neues Stück zu schreiben, das in Besetzung und Länge an das Genre des Pop-Songs angelehnt ist. Meine Textvorlage hatte ich aus dem Theaterstück Rausch von Falk Richter, für dessen Inszenierung am Linzer Landestheater ich 2013 auch die musikalische Leitung inne hatte.
Der Song fängt mit der Beschreibung bekannter zwischenmenschlicher Sehnsüchte an, Dinge wie »I want you to take care of me« oder »I want you to be honest«, und dreht dann nach zwei Minuten völlig ab, ufert in eine zwanghafte Obsession mit unglaublicher Brutalität aus. Es hat sich dann bald die Idee entwickelt, dass ich das Sprechen bzw. Singen selbst übernehmen werde. Ich muss gestehen, dass ich mir damit einen großen Kindheitstraum erfülle – ich wollte immer schon mal auf einer Rockbühne stehen.

