Dass die weite Welt Einzug in die Gegenwartsmusik Europas gehalten hat, ist kein neues Phänomen. Debussy, dessen Interesse an indonesischer Musik 1889 auf der Pariser Weltausstellung geweckt wurde, war nicht der Erste, und einige Schlaginstrumente, Gongs wie das Tamtam, tauchten vereinzelt schon Ende des 18. Jahrhunderts in Orchestern auf und wurden im 20. Jahrhundert zum festen Bestandteil der Sinfonik. Schon Preußenkönige ließen sich chinesische Pavillons in ihre Parks setzen, van Gogh begeisterte sich an japanischer Malerei und Puccini schrieb gar zwei ostasiatische Opern und einen »Western«. Messiaen komponierte unter Verwendung komplexer indischer Rhythmusmuster und John Cage ließ sich von der Zen-buddhistischen Einkehr zur Gestaltung einer kontemplativen Musikwahrnehmung inspirieren. Die Qualität freilich der Wiedergabe »fremder Kulturen« in der eigenen Kunst stand niemals zur Debatte. Die Komponisten – oder sollte man nicht sogar sagen: »Die Musik« eignete sich »das Fremde« auf ihre Weise an und schuf Reflexe der eigenen Welt, zu der durch zunehmende Öffnung des Warenverkehrs ganz natürlich auch Importe zählten. »Wie Maler«, sang Hölderlin schon 1803, »bringen sie zusammen das Schöne der Erd’…«


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