Das Ende kommt auf leisen Sohlen. Vielfach erahnt, ist es erschreckend plötzlich da. Den Beifall der Kommilitonen noch in der Ohrmuschel klebend, das Zeugnispapier druckwarm in der Hand – schon stehst du wieder ganz am Anfang. Was jetzt? War‘s das? So ging es Esther Bishop nach ihrem Oboenstudium. Ihr war klar, dass sie nicht ins Orchester will, auch Unterrichten und »Muggen« konnte sie sich nicht vorstellen. Die schlichte Ermangelung an Alternativen lösten in ihr gegen Ende des Studiums eine völlige Orientierungslosigkeit aus – und damit ist Esther Bishop nicht allein. Es ist eine inzwischen offenkundige und doch ignorierte Tatsache, dass rein rechnerisch nur ein Bruchteil, nämlich rund ein Fünftel der Absolventen eines künstlerischen Studiengangs einer deutschen Musikhochschule eine Orchesterstelle bekommen können. Schätzungen zufolge werden 8 von 10 Absolventen keine feste Anstellung finden und sich den Herausforderungen des freien Musikermarktes stellen oder anderweitig Beschäftigung finden müssen. Trotzdem werden blind weiter Orchestermusiker ausgebildet – auf eine Zukunft als freie, selbstständige und selbstorganisierte Musiker*innen werden die Studierenden nicht vorbereitet. Esther Bishop tut – sechs Jahre nach ihrem Abschluss – viel dafür, dass sich das ändert. Sie ist statt Orchestermusikerin Musikforscherin geworden, hat sich »an ihrem eigenen Thema abgearbeitet« und erstmalig wissenschaftlich den Zusammenhang zwischen den tatsächlichen beruflichen Aktivitäten der Absolvent*innen und ihrer Musikhochschulausbildung erforscht. Sie ist Projektkoordinatorin des Programms Lehre hoch n der Töpfer-Stiftung und promoviert über künstlerische Musikerbildung in Deutschland. Ein Gespräch über Tücken der deutschen Musikhochschulausbildung, den Sinn und Unsinn der Marktorientierung und die Black Box des Einzelunterrichts.
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