VAN Playlist Enno Bunger

Foto Benedikt Schnermann · Datum 22.6.2016

Beethoven, Mondscheinsonate op. 27 No. 2; I. Adagio sostenuto

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Was meinen Musikgeschmack betrifft, war ich schon immer ein gespaltenes Kind. Jede Musik, alle Stile und Genres, haben mich in gewisser Form bereichert. Vor allem bestimmte tonale, klassische Musik rief seit jeher ein besonderes Gefühl hervor, eine Sehnsucht, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Allerdings hat mich im Umgang mit klassischer Musik oftmals etwas gestört. Als 10-jähriger habe ich am Haydn Muziek Festival teilgenommen, eine Art Nachwuchswettbewerb für Kinder. Man könnte sagen, dass das mein erster richtiger Auftritt war. Daran teilzunehmen, war eine wichtige Erfahrung für mich. Mein Programm sah drei klassische Werke vor, die ich alle extra auswendig gelernt hatte, was die Jury wohlwollend zur Kenntnis nahm. Das erste Stück war der erste Satz der Mondscheinsonate, den ich nach wie vor sehr gerne spiele. Während ich sie spielte, wuchs jedoch mehr und mehr ein Frust in mir, über diesen Virtuositätswettbewerb. Ich hatte das Gefühl, dass es darum ging, möglichst kein Gefühl zu haben, sondern virtuos zu sein. Alle anderen Kinder spielten wesentlich schnellere Stücke, zwei mal den Hummelflug. Ich fühlte mich wie bei den Bundesjugendspielen, die ich ebenso verachtete. Dieser Wettstreit des Höher, schneller, weiter in der Kunst. Natürlich ist es beeindruckend, wenn jemand in technischer Perfektion sein Instrument beherrscht, allerdings stehen für mich in jedem Werk Gefühl, Ausdruck und Aussage über allem. Nach dem ersten Stück änderte ich spontan mein Programm. Ich improvisierte einen »Mir-Ist-Das-Alles-Egal-Blues« und für mein Finale bin ich aufgestanden, habe mit der linken Hand die Bassdrum ins Klavier gehämmert, »Hyper Hyper« gerufen und diverse Riffs von Scooter (unter anderem Friends und Endless Summer) gespielt. Wicked! Das war vermutlich mein Bruch mit der klassischen Musik, es gab danach weder Foto noch Recall für mich.


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