Tk tk. T-tk t-tk t-tk tk. Links neben dem Publikum im Mozart-Saal der Donaueschinger Donauhallen klacken einsam die Buchstabenhämmerchen einer Schreibmaschine. Tk tk-tk tk tk. Dann unterbricht: Das SWR Symphonieorchester unter Leitung von Pascal Rophé mit kollektivem Pusten, Sirren, Zischen; einer rauschenden Fläche ohne erfassbare Tonhöhen jedenfalls. Von rechts neben dem Publikum antwortet ein zweiter Schreibmaschinist mit einsamen Klack-Lauten über der pustenden Orchestergrundierung. Intervention des Schlagwerks mit Paukenwirbel und dem Ratschen auf Klangobjekten. Malin Bångs Komposition splinters of ebullient rebellion lebt vom Spiel tonhöhenloser Klangfarben, die durch unterschiedliche, meist perkussive Verfahren hergestellt werden. Bürste auf Styropor, Klopfen auf Geigenrücken, Grollen, Rauschen; Bänder, die durch Trommelfelle gezogen werden und dabei eine Art Heulen verursachen, das Durcheinanderflirren leiser Streicherglissandi, Schläge auf unterschiedlichste Klangobjekte.

splinters of ebullient rebellion  • Foto © SWR / Ralf Brunner
splinters of ebullient rebellion  • Foto © SWR / Ralf Brunner

Für ihr Stück erhält die schwedische Komponistin mit gutem Recht den Orchesterpreis des SWR Symphonieorchesters. Nicht nur überzeugt die abwechslungsreiche Arbeit mit den unterschiedlichen Klangkonsistenzen. Sie ist gleichsam nur Vorbereitung auf einen zarten, fast zauberhaften Moment: Nach einer Weile tritt wie aus dichtem Nebel von weit entfernt der Glöckchenklang von Spieluhren hervor. Ganz rein klingen die tönchenproduzierenden Apparate, ähnlich dem Zimbelstern einer Orgel an Heiligabend. Und vor allem: Zum ersten Mal in der gesamten Komposition werden – leise, durch Zurücknahme des Orchestertosens – überhaupt Tonhöhen hörbar, auch wenn es keine richtige Melodie ist, die die Spieluhren hervorbringen, sondern eher anarchisches Blinken und Glitzern der Glöckchen. Mit diesem fast magischen Moment ist das Stück noch nicht zu Ende, das Orchester setzt als wirrer Chor murmelnd Sprechender ein und zitiert Texte aus jüngeren Pop-Songs, »die zu Symbolen für Demokratie und Menschenrechte geworden sind«. Was es für Texte sind, erfährt man nur aus dem Programmbuch. Hören tut man: eine irgendwie agitierte Menschenmenge, deren diffuse Äußerungen von Schreibmaschinengeräuschen durchlöchert werden. Der Komposition liegt also auch ein politischer Subtext zugrunde, aber sie überzeugt vor allem durch ihre Klanglichkeit, durch das Zart-Zauberhafte des plötzlich freigelegten Glöckchenklangs. Auch darin könnte man, wenn man wollte, eine politische Botschaft erkennen.


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