Der Tenor Plácido Domingo soll jahrzehntelang Frauen sexuell belästigt haben, das ist das Ergebnis einer Recherche der Nachrichtenagentur Associated Press. Tiefer blicken als der Fall selbst lassen einige der Reaktionen: In eine Szene, die Übergriffe als Kavaliersdelikt bagatellisiert und sich trotzig weigert, sich selbst und ihre Helden kritisch zu befragen.

Feuchte Küsse auf den Mund, Griffe unter den Rock, penetrantes Nachstellen in Umkleidezimmern, nächtlicher Telefonterror, das sind einige der Vorwürfe, die neun Frauen gegenüber Domingo erheben, acht davon anonym, die Mezzo-Sopranistin Patricia Wulf unter Klarnamen. Die Vorfälle erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren, beginnend Mitte der 1980er Jahre. Deutlich hervor tritt in den Anschuldigungen das Muster, dass Domingo seine Machtposition ausgenutzt haben soll, um mit Frauen Sex zu haben. So berichten mehrere Sängerinnen davon, dass Domingo den Wunsch, ihre Karriere zu fördern, vorgetäuscht habe, um intime Situationen zu schaffen, in denen er dann sexuell zudringlich geworden sei. Sieben Frauen geben an, ihre Karriere sei durch die Zurückweisung der Annäherungsversuche nachhaltig beschädigt worden.


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