Jan Hoet, Künstlerischer Leiter der documenta IX, wollte im Morgengrauen des Eröffnungstages, am 13. Juni 1992, in der ganzen Stadt Kassel Strauss’ Wiegenlied, gesungen von Elisabeth Schwarzkopf, die damals gerade wegen ihrer Verstrickungen in der NS-Zeit umstritten war, erklingen lassen. Das Team hat die Realisierung irgendwann aus technischen Gründen aufgeben müssen. Ein Jahr vor der Eröffnung aber wurde die internationale Kunstpresse nach Weimar zu einem »documenta-Marathon« eingeladen: 24 Stunden am Stück Berichte des Teams und Hunderte, Tausende von Dias mit Kunstwerken – mal unkommentiert, mal ausführlich erläutert. Zumutungen waren die Stärke von Jan Hoet. Irgendwann am frühen Morgen des zweiten Tages war es uns dann gelungen, einen mitgebrachten Auto-Kassettenrekorder mit dem Saallautsprecher der Weimarhalle zu verbinden … und es erklang knisternd, aber nicht weniger betörend Elisabeth Schwarzkopfs »Träume, träume, du mein süßes Leben…«
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