Frank Bretschneiders Musik hat, unter seinem eigenen Namen oder als ›Komet‹ veröffentlicht, verschiedene Gestalten angenommen, Ambient, Minimal Techno, Clicks & Cuts, Electronica, manchmal strenger, manchmal betont spielerisch-kindlich, zerfasert oder voll auf die Zwölf. Als er 1999 sein Label Rastermusic mit Carsten Nicolais noton. archiv für ton und nichtton zu Raster-Noton verschmolz, war ein weiteres Zentrum einer Kultur geboren, die alles war außer Pop, aber doch aus den experimentellen Rändern der Popkultur erwuchs – Bretschneider hatte in der DDR so etwas wie eine Avantgarde-Dada-Punk-Band – und nicht aus der akademisch-institutionalisierten Zeitgenössischen Musik. Trotzdem gab es hier in der Kommunikation keinen Pop-Glanz, keine Gesichter, keine Stars und keine Melodien. Dafür Rauschen, Klicken, Fehlergeräusche, seltsam vibrierende Monotonie, strenge Gestaltung, sachliche Titel. Und den Sprung in die postmoderne Kulturtheorie: Mille Plateaux, ein anderes Label der Szene, ist nach einem Buch von Deleuze/Guattari benannt. Der Philosoph Christoph Cox prägte für die Musik, die bei diesen Labels erschien, das Bild vom organlosen Körper, weil die Hierarchie zwischen Melodie und Begleitung, Haupt- und Seitenthema genauso wegfällt, wie der Unterschied zwischen Form und Ausdruck oder der zwischen Tanzen und nicht Tanzen. Eine Musik ohne Geschichte, Autor-Interpret, ohne Anfang, ohne Mitte, ohne Ende. Die ihren Weg in die Galerien und Museen fand, in die Theater und auch immer öfter in die Konzertsäle. Nennen wir es ›e-Phil‹ dachte man also bei der Elbphilharmonie, die eine Veranstaltungsreihe im Resonanzraum für diese elektronische Avantgarde ins Leben gerufen hat, die man trotzdem populär nennen kann, weil es immer die Verbindung zu den Clubs, zum Feiern gab.

Sinn + Form, dein neues Album, ist weniger groovy und weniger atmosphärisch als viele andere Sachen von dir.
Es ist ja fast rhythmuslos, es gibt keine Perkussion. So etwas habe ich eigentlich bis dahin noch nie gemacht, das war ein völlig anderer Ansatz, der verschiedene Dinge zusammenbringen sollte, die mich zu dem Zeitpunkt stark interessiert haben: zum einen Improvisation. Zum anderen Elektronik – nicht als Computerelektronik sondern analog, also nicht mit Keyboard, sondern über Patches, und mechanische Bewegungen gesteuert. Bei dem analogen Buchla und dem Serge-System im EMS-Studio (in Stockholm, wo die Aufnahme entstanden ist). Um da einen Sound rauszukriegen, musst du erst mal Kabel stecken. Also du musst eine Oszillator mit der Hüllkurve und mit einem Filter oder Sequenzer verbinden.

