»Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Autonomie kultureller Institutionen«, urteilte das Magazin ›monopol‹ am 26. Februar über die tags zuvor von der ›BILD‹ angekündigte Entlassung der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, veranlasst durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Kommentar rechnete, wie so viele andere zeitgleich erschienene Artikel, mit dem Rauswurf Tuttles. (Spoiler: Sie bleibt.) Und offenbart damit noch eine ganz andere Bedrohung: Aufs Spiel gesetzt wurde in der ›Debatte‹ über die Causa Weimer/Tuttle nämlich nicht nur die »Autonomie kultureller Institutionen«, sondern auch die Glaubwürdigkeit zahlreicher Medien.
Los ging es mit einem Artikel der ›BILD‹, die am 25. Februar zur Mittagszeit schrieb: »Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) lässt nach BILD-Informationen die Chefin der Filmfestspiele ›Berlinale‹, die US-Amerikanerin Tricia Tuttle (56), ablösen!« Und weiter: Weimer habe »für Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung der Führungsgremien der KBB [Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, Träger der Berlinale] geladen. Auf der Tagesordnung nach BILD-Informationen: die Abberufung der Berlinale-Chefin Tuttle.«

