Für das Publikum ist ein personeller Wechsel wie der beim Belcea Quartet eher eine Randnotiz. Für das Ensemble selbst ist er eine existenzielle Erschütterung. Cellist Antoine Lederlin spricht über diesen Schnitt und den Findungsprozess.
VAN: Wie habt Ihr das vergangene Jahr erlebt?
Antoine Lederlin: Das Jahr war so intensiv, so voller gemischter Gefühle. Ein Streichquartett ist ein sehr spezieller Mikroorganismus. Wir verbringen extrem viel Zeit miteinander, kennen unsere besten und die schlechtesten Seiten. Es gehört zu unserem Alltag, uns gegenseitig zu kritisieren. Man ist sich noch näher als in einer Familie. Wenn dann jemand geht, der einem so nahe ist, klafft erstmal ein tiefes Loch. Und es kommen Zweifel. Schaffen wir es nochmal, dieses Gefühl zu bekommen, dass wir zusammen etwas erreichen? Viele Menschen kriegen das natürlich gar nicht mit. Sie sehen nur das Resultat auf der Bühne, ohne eine Vorstellung davon, was ein Streichquartett ist. Das ist ja auch ihr gutes Recht.

