In einer Zeit, in der das Habsburgerreich im Zerfall und eine neue Ordnung noch nicht in Sicht war, setzten sich zwei außergewöhnliche musikalische Werke mit Fragen auseinander, die heute im Zentrum unseres Verständnisses der politischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts stehen: Béla Bartóks Der holzgeschnitzte Prinz (1914–16) und Leoš Janáčeks Taras Bulba (1915–18) erlauben einen Blick auf die kulturellen und ideologischen Kräfte, die den Boden für den Totalitarismus und das Ende der liberalen Gesellschaft in Mitteleuropa bereiteten. Hannah Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft liefert den theoretischen Rahmen, um die Erfahrung zu verstehen, die diese Komponisten mit musikalischen Mitteln einzufangen versuchten. Totalitarismus, schreibt Arendt, strebe nach totaler Herrschaft und terrorisiere den Menschen von innen. Sein letztliches Ziel sei die Auslöschung menschlicher Freiheit durch die Erzwingung einer totalen, uneingeschränkten, bedingungslosen und unveränderlichen Loyalität atomisierter Individuen.


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… ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des Center for the Study of Governance and Society am King’s College London sowie Associate Fellow der britischen Royal Historical Society. Ihre Arbeiten zu Musik, Politischer Theorie und moderner europäischer Geschichte sind unter anderem in Global Intellectual History und dem Austrian Cultural Forum erschienen.