Open Air-Konzerte sind (auch in der Klassik) eine ganz eigene Sache. Viele verstehen Musik als die Kraft, die jede Situation in einen Konzertsaal verwandeln kann. Doch so ein Konzertsaal ist mehr als eine Schallkiste, die ein Auditorium von der Außenwelt trennt: das Publikum in so einer Schachtel ist nämlich eine besondere Gesellschaft – abhängig davon, was gespielt wird.
Ein Abend mit Streichquartetten wird zum Beispiel ein Publikum anziehen, das mehr oder weniger aus Kenner/innen, Intellektuellen besteht. Bei einem Klavier-Rezital wird die Gruppe noch esoterischer; die Leute darin können sich an die Feinheiten dutzender Interpretationen eines Stücks erinnern (oder glauben es zumindest). Ein Opernarien-Programm wiederum erzeugt ein eher normalbürgerliches Publikum – dem gefällt es, wenn die Musik mit Emotionen gesättigt ist. Und das Sinfoniekonzert: das ist natürlich ein erbauliches Beispiel von sozialem Zusammenhalt, symbolisiert durch das Orchester, dieser Maschine vollkommener Konkordanz.

