Auch 2020 haben wir unsere Autor*innen wieder nach besonders vielversprechenden Veranstaltungsankündigungen für die nächsten 12 Monate gefragt. Und sie ein bisschen träumen lassen. Damit das Ganze nicht völlig aus dem Ruder läuft, bilden die folgenden Kategorien die Wegmarken:Talk of the town: Was wird das Event, das man nicht verpassen darf, über das alle zu Recht reden werden?Into the unknown: Was ist der heißeste Scheiß, den zu Unrecht niemand kennt?Wish You Were Here: Unendlich viel Zeit, Geld und Möglichkeiten: Wen ich wohin einladen würde, wenn ich Intendant*in wäre.

Jeffrey Arlo Brown

Talk of the Town

Im Mai 2019 spielte das Rundfunk-Sinfonieorchester unter Vladimir Jurowski die Berliner Uraufführung von Griseys Zyklus Les espaces acoustiques. Jurowski verglich das Stück mit Wagners Ring und Strawinskis Sacre du Printemps und sagte, es sei »das erste Meisterwerk des 21. Jahrhunderts«. Die Skepsis beim RSB-Abopublikum schien jedoch groß. Im ersten Satz Prologue erkundet Grisey unglaublich raffiniert die Grenze zwischen Tonhöhe und Geräusch unter Verwendung schöner mikrotonaler Intervalle. »Dit is verstimmt«, sagte mein Sitznachbar. Im dritten Satz Partiels berichtete er seiner Frau laut und stolz, dass der Kontrabass jetzt spiele. Und trotzdem verstummte er irgendwann zwischen Modulations und Transitoires. Ich denke an einen schwierigen Schüler, dem die Witze ausgehen, wenn er das erste Mal durch ein Mikroskop oder Teleskop guckt. Schön, dass wir Berliner dieses Stück so bald wieder hören dürfen: am 31. März mit dem Ensemble Modern, der Jungen Deutsche Philharmonie, Megumi Kasakawa (Bratsche) und Sylvain Cambreling (Dirigent).


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