András Schiff spricht leise, seine Schülerin Shio Okui auch. »In der Musik gibt es keine Demokratie«, sagt er, »manche Töne sind wichtiger als andere.« Das Thema bei der Reprise soll sie trotzdem nicht so offensichtlich platzieren, »schmuggeln Sie es lieber hinein.« Das Publikum spitzt die Ohren, Okui setzt die Anregung mühelos um.

Öffentliche Meisterkurse sind eine paradoxe Angelegenheit. Sehr persönlich, fast intim, aber eben vor Publikum. Es herrscht konzentrierte Stille, Fotos und Aufnahmen sind untersagt – ein geschützter Raum. Aber auch ein ungeschützter: Vor aller Augen werden die Schüler gelobt, korrigiert und getadelt. Manchmal endet es mit einer Umarmung, manchmal mit Hausaufgaben, manchmal mit Tränen.


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… lebt als Kulturjournalistin in Berlin, sie schreibt vor allem über Film, Musik und Kulturpolitik. Von 1999 bis 2025 arbeitete sie als Kulturredakteurin im Tagesspiegel, davon knapp 20 Jahre in der Ressortleitung. Klavier hat sie schon viel zu lange nicht mehr gespielt…