Einer seiner letzten Texte in der F.A.Z. war der Nachruf auf den belgischen Bariton José van Dam. Es war einer dieser einlässlichen, genauen Texte, wie man sie von ihm kannte, und er eröffnete sie mit einer überraschend grundsätzlichen Frage: ob es sängerisches Genie gebe. Überraschend, weil er selbst ja vielfach und in einem langen Kritikerleben den Nachweis geführt hatte. Er wie kein anderer, wobei er seriös sparsam mit dem Begriff umging, den er dem Bariton van Dam zugestand, überhaupt Superlative mied, zumal er sich nicht nur den ganz großen Sängerinnen und Sängern, Caruso bis Callas, widmete, sondern auch den vielen anderen, den nicht ganz so großen, und auch hier, ernst und einlässlich, streng und differenziert, kritisch und liebend. Leidenschaftlich seine Suche nach dem treffenden Wort, um die so schwer beschreibbare Individualität einer Stimme zu erfassen, noch jenseits der technischen Gegebenheiten, mit denen er sich, der doch Germanistik, Anglistik und Philosophie studiert hatte, bestens auskannte.


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…ist Musikjournalist und war bis 2023 Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund, wo er den Studiengang Musikjournalismus leitete. Er ist im WDR und Deutschlandfunk zu hören und schreibt u. a. für Opernwelt und die FAZ. 2020 erschien sein Buch ›World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution.‹