In Theresienstadt hielt der NS-Staat zusammen mit tausenden jüdischer Mitbürger:innen die Komponist:innen Ilse Weber, Hans Krása, Viktor Ullmann, Pavel Haas und Gideon Klein gefangen. 1944 nutzte die SS auch diese Gefangenen, um in einem Propagandafilm für das Ausland (Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet) Theresienstadt als großzügige wohlfahrtsstaatliche Siedlung mit Konzerten, Sportveranstaltungen und Vorträgen darzustellen. Wenige Stunden nach Beendigung der Filmaufnahmen begann am 16. Oktober 1944 der Abtransport der im Film als Beweis dargestellten Komponierenden und Vortragenden nach Auschwitz in den Tod. Bewohner:innen der Genossenschaft Möckernkiez in Berlin-Kreuzberg, zu denen auch ich gehöre, verfolgen seit 2018 das Ziel, an die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Anhalter Bahnhofs zu erinnern, insbesondere an die Jahre, in denen er als Deportationsbahnhof diente. Teil dieser Initiative ist auch, an die Theresienstädter Komponist:innen zu erinnern, gerade auch in den Tagen, in denen sich ihre Deportation zum 80. Mal jährt.
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