Ein Karussell dreht auf der Bühne gemütliche Runden. Es ist ein nostalgisches Exemplar mit bunten Holzpferdchen, leicht windschief, das ulkige Dach sieht gefleddert aus. Ringelspiel nennt man so ein Kinderkarussell in Österreich, das klingt irgendwie lustiger. Später dreht sich auch noch der Bühnenboden, aber in die Gegenrichtung des munteren Ringelspiels. Und am Schluss hebt sogar das Dach ab, stellt sich senkrecht und wird zu jenen Windmühlenflügeln, gegen die ein gewisser Don Quijote in Cervantes’ berühmten Roman vergeblich ankämpfte.
Das alles sieht imposant aus und zeigt, was die nagelneue Bühnentechnik am frisch sanierten Theater an der Wien so draufhat. Die tadellos schnurrende Technik ist die mit Abstand beste Nachricht über diesen Abend, der musikalisch und künstlerisch in der Summe etwas matt und mühsam bleibt. Pünktlich zum 200. Geburtstag von Johann »Schani« Strauss wollte man hoch ambitioniert eine seiner vergessenen Operetten zu neuem Leben erwecken: Das Spitzentuch der Königin war nach seiner Uraufführung 1880 am selben Ort – und damals bereits nach einer Sanierungsphase – einer der größten Erfolge des Walzerkönigs.

